Das war Sri Lanka

Nach 9 tagen haben wir es gewagt und Uppuveli endlich verlassen um weiter zu reisen. Meinem Fuss ging es da schon etwas besser, aber seit dem habe ich keine deutlichen verbesserungen und bin immer noch auf die bandage angewiessen. In Uppuveli haben wir in den 9 tagen natuerlich eine menge neuer leute kennengelernt. Die meisten machen es hier in Sri Lanka wie wir, ein paar tage hier, ein paar tage dort. Zu unseren neuen bekanntschaften gehoert unter anderem Florian, ein Bayer der seit einem halben jahr in Berlin lebt. Florian arbeitet fuer die dpa (deutsche presseagentur) als reisejournalist und war hier unterwegs um herraus zu finden wie sehr sich Sri Lanka etwas mehr als einem jahr nach dem krieg herraus gemacht hat und was vor allem die schwer gebeutelte ostkueste zu bieten hat. Eigentlich ist er bei der dpa nur im buero aktiv, ueberliest texte und recherchiert nachrichten, aber hier wurde urlaub und arbeit miteinander vermischt und er durfte selbst mal raus. Florian war super nett, wir haben dann auch einen tag vor seiner abreise einen schorcheltrip zusammen mit ihm gemacht. Mit dem boot ging es raus nach Pigeon Island. Mit dabei war unser divemaster Raphael aus der schweiz und Johannes der fischkopp aus Rostock, der dort seinen Tauchschein macht. Raphael und Johannes haben uns auf der insel ausgesetzt und sind zum tauchen etwas weiter geschippert. Florian, Tini und ich haben unser Schnorchlzeug angelegt und sind ab ins wasser. Leider war die stroemung ziemlich heftig und die sicht dadurch auf nur etwa fuenf meter begrenzt. Mit Amed/Bali war das nicht vergleichbar, aber wenn die sonne rauskam haben die Korallen herlich blau gestrahlt. Unser absolutes highlight waren allerdings die haie. Erst nur sehr kleine, aber dann schoss ein recht grosser, etwa anderthalb meter dicker schwarzspitzenriffhai durch die gruppe. Tinis augen schwollen hinter dem glas der brille auf dreifache groesse an und ihr haendedruck wurde fester. Aber auch Florian der schon haie gesehen hatte und ich waren sehr beeindruckt von dem fetten ding. Ein gelungener schnorcheltrip.
Zwei tage spaeter haben wir uns wieder auf den weg gemacht, nicht aber ohne zuvor noch telefonnummern mit Raphael zu tauschen den wir in Hikkaduwa wieder sehen wollten.

Mit dem Bus ging es nach Batticaloa. Von dort mit dem naechsten nach Kalmunai, dort wieder umsteigen nach Akkarapattu, von dort ein weiterer bus nach Pottuvil, dort mussten wir nur zwanzig minuten warten und dann waren wir auch schon in Arugam Bay, dem Tagesziel. Die ganzen ortsnamen sind eigentlich total unwichtig, ich moechte aber gerne die strapazen unseres ortswechsels besser beschreiben. Wir sind um 6:30 uhr morgens gestartet. Um 17:00 uhr sassen wir in einer palmenblatthuette, einer Cabana, und haben den tag ausklingen lassen, der schon stressig begonnen hatte, da ich den wecker, der uns eigentlich um 5:00 rausholen sollte, einfach wieder ausgemacht habe und wir so erst 10 vor sechs rausgestuerzt sind. Als ich gerade versuchte unsere sachen irgenwie zu verstauen und mich ueber unser decken- und somit auch dachloses offenes bad freute hoerte ich draussen jemanden sehr laut und in einem sehr hartem englisch mit Tini reden. Matej, ein Tscheche, den wir auch in Uppuveli getroffen hatten checkte gerade in der gleichen unterkunft ein und bekam noch einen kleinen rabatt, da er beim handeln erwaehnte er sei auch moslem, das macht dieser unglaeubige spinner oefter und schlaegt so immernoch rabatte raus. Aber immerhin ist er auch auf dem landweg nach indien gereist und hat so seine erfahrungen mit den mullas. Mit ihm verbrachten wir unsere naechsten drei tage. Arugam Bay gilt als das surfmekka von Sri Lanka, aber ich selbst konnte wegen meines fusses noch nicht surfen. Ich habe Matej eine unterrichtsstunde gegeben und der Tscheche hat gestrahlt. An einem anderen tag haben wir eine radtour gemacht. Gegen mittag haben wir uns die alten gurken ausgeliehen und beschlossen einfach mal drauf los zu fahren. Es gab einen see in der naehe, der war aber zwanzig kilometer entfehrnt und mit unseren klapperraedern eigentlich nicht machbar. Als wir allerdings bemerkten, dass wir schon in Panama (ja unglaublich es gibt ein Panama in Sri Lanka) waren, beschlossen wir auch noch die weiteren etwa vier kilometer auf uns zu nehmen. Belohnt wurden wir letztendlich mit ein paar schoenen fetten krokodilen die da seelenruhig auf einem grossen stein im see lagen. Anders als in Australien gibt es hier natuerlich keine warnschilder, ranger oder zaeune. Auf dem rueckweg in die stadt gab es noch einen wilden elefanten zu sehen. Die letzten 6 km haben wir uns von einem Traktor mitnehmen lassen.
Highlight in unserer unterkunft war eine hundefamilie. Mama war mit ihren drei kleinen scheissern scheinbar echt ueberfordert und so hatte sie sich ab der zweiten nacht dazu entschieden die 3 wochen alten welpen und sich selbst im schutz unserer huette abzulegen. Die kleinen racker stolperten ab dann immer unter unseren stuehlen durch und kamen zum spielen, kuscheln und quitschen vorbei. Es war schwer sie dazulassen.
Matej hatte sich beim surfen aber auch schon zuvor einige kratzer und schrammen an den fuessen zugezogen. Nichts ernstes und in Deutschland, oder eben Tschechien kein hit, aber hier absolut angesagt fuer alle arten von fliegen. Er hatte ernsthaft fliegen die in die wunden reingekrabbelt sind und dann zum luftholen wieder raus kamen. Wir haben ihn mehrfach darauf hingewiessen die wunde abzubinden und zu desinfizieren, aber Matej meinte das wird schon. Als wir am letzten tag alle zusammen aufgebrochen sind hatte er wenigsten kleine pflaster drauf, hummpelte aber schon mindestens genau so scheisse wie ich.
Unser naechstes Ziel war Ella, die panoramastadt in 2000 metern hoehe. Auch auf dem weg nach Ella hiess es wieder umsteigen. Matej wollte gleich an die suedkueste, da er schon frueher als wir das land wieder verlassen musste und noch viel vor hatte. Bis zu unserem ersten umstiegsort, Monaragala, fuhren wir noch zusammen, dort sollte dann jeder seiner wege gehen. In Arugam Bay hatten wir seinen Rucksack und mein surfbrett aufs dach geschnallt, da wir so immer den aerger umgehen eventuell fuer ein weiteres ticket zahlen zu muessen, da mein brett als noch ein fahrgast gilt. In Monaragala hielt der bus und alles eilte in gewohnter Asiatischer hecktick nach draussen, nur Matej nicht. Der idiot blieb seelenruhig sitzen und wartete bis alle draussen waren um dann auch ganz easy auszusteigen, seinen gehstock abzustelllen und sich dann auf den weg zu seinem rucksack zu machen. Da war ich aber schon lange auf dem dach und zerrte mein seil aus unseren gepaeckstuecken, doch ploetzlich legte der fahrer unten den gang ein und der langsame Matej guckte nicht schlecht als sein rucksack und ich da ploetzlich wieder davon fuhren. Wir heizten ueber den busparkplatz, ich krallte mich fleissig oben fest und hinter mir hoerte ich die ersten pfiffe der polizei die nun auch aufmerksam wurde. Nur der busfahrer hoerte nichts. Kurz vor der ausfahrt stoppte er kurz und sein ticketverkaeufer sprang raus um etwas zu essen zu holen. Ich schrie den typen von oben an, er solle dem idioten sagen, dass er den scheisse bus anhalten sollte und als der mich da auf dem dach sah bekam er sehr grosse augen. Von irgendwo kam dann auch Matej angeschlappt und bekam den rest meiner aufregung zu hoeren. Die weiterfahrt nach Ella, mit umstieg in Wellawaya, verlief ohne weitere zwischenfaelle. Wir erreichten Ella gegen 15:00 uhr und hatten so noch genuegend zeit mit einem TukTuk in eine Teefabrik zu brettern. Leider war die aber zu da nunmal Sonntag war, was der TukTuk fahrer angeblich nicht wusste. Ich habe ihm dann angeboten den nur einen kleinen teil des versprochenen geldes zu geben und er muesse uns am naechsten morgen nochmal fahren. Das haben wir dann auch gemacht, aber leider war die fabrik echt ein reinfall. Nachdem wir also am naechsten tag noch einmal in der teefabrik waren sind wir gleich weiter mit dem naechsten bus an die suedkuest. Mirissa hiess unser erstes ziel.
Von Ella bis Matara fuhr der bus durch von dort waren es nur etwa 10km bis Mirissa. Wir werden an busbahnhoefen eigentlich grundsaetzlich von eine menge leute angesprochen. Jeder will wissen wo es hingeht und meistens helfen uns diese menschen auch sehr gut. Sie druecken uns dann zwar auch oft eine karte der angeblich besten und guenstigsten unterkunft in town in die hand, aber gut sie zeigen uns wenigstens den richtigen bus. Auch so in Matara. Der typ meinte wir muessen wieder raus auf die strasse um einen der durchsausse busse zu nehmen. Als wir dann draussen standen, meinte er, er koenne uns aber auch mit seinem Tuk Tuk fahren und was er dafuer haben wollte war sau guenstig, ich willigte ein. Nur rief er dann irgendeinen Tuk Tuk fahrer herbei und erklaerte dem irgend einen scheiss auf singalesisch. Ich war skeptisch. Als wir dann noch in die falsche richtung fuhren und auch an der zweiten kreuzung nicht in richtung Mirissa abbugen, platzte mir der kragen und der fahrer den ich die ganze zeit vollgequatscht hatte wo wir denn eigentlich hinwollten und der bis eben kein englisch konnte, konnte ploetzlich sehr gut englisch. Er lachte und meinte mein ziel waere etwa zehnmal so teuer. Ich befahl ihm uns wieder zum busbahnhof zurueck zu fahren, wo der betrueger dann ernsthaft geld von mir wollte fuer unserer kleine rundfahrt. Der andere typ, der uns die scheissnummer erst angedreht hatte verstand das alles ja gar nicht, aber da sahs ich auch schon mit Tini im richtigen bus und hab atemuebungen zur beruhigung gemacht. Man muss hier wirklch so aufpassen. Es geht nicht darum das dir irgenwelche typen etwas antun wollen oder dich auszurauebn versuchen, aber beschissen wirst du hier an jeder ecke, oder wenigstens jeder zweiten. In Mirissa fanden wir auf anhieb eine nette unterkunft. Eigentlich haette man hier wieder surfen koennen, aber fuer mich gibt es auf diesem Sri Lanka trip keinen surf, nicht dieses mal. Mirissa ist ganz nett. Alles spielt sich am strand ab, der wirklich ganz schoen ist. Die See war ziemlich unruhig und grosse sturmwellen knallten auf den strand, was den katalog-palmenstrand-effekt kaputt machte. Wir kletterten vorsichtig auf einen felsen dachten ueber den Tsunamie nach, der auch hier etliche tote gefordert hatte und hatten ein super curry zum abendessen.
Am naechsten tag zogen wir weiter nach Unawatuna, das lag nur etwa 40 busminuten entfehrnt und sollte einen noch schoeneren strand haben. Auch dort fanden wir gleich eine nette unterkunft nur keinen netten strand. Unawatuna ist opfer Sri Lankanischer geschaeftsleute geworden. Nach dem Tsunamie haette man die moeglichkeit gehabt baufehler wieder zu beheben und eben nicht bis direkt ans wasser zu bauen, aber in solchen laendern lernen menschen nicht dazu wenn es darum geht eventuell aus gruenden der Aestetik etwas weniger geld einzunehmen. Und so hat man in Unawatuna wirklich auf den Strand gebaut, bis ans wasser. Da es gerade sehr stuermig war hatten einige restaurants sogar ihre tische bei seite gestellt, weil das wasser herein spritzte. Als Tini in einem dieser restaurant einen zitronensaft bakam konnten wir darin ein kleines biotop entdecken. Wir gaben ameise, fliege, zitronenschale und wasser wieder zurueck und ich stornierte auch gleich den reisteller. Am naechsten morgen haben wir dann in einem anderen restaurant versucht ein fruehstueck zu bestellen und mehrfach darauf hingewiesen das wir unbeding so richtig harte eier wollen, wegen der salmonellen. Aber auch der dritte anlauf brachte nur eier hervor in denen selbst das weisse noch labberig war. Tini hatte da schon das gesamte besteck und die teekanne abgelehnt und ich muss sagen das es auch mich etwas anekelte. Aber vielmehr noch kriege ich einfach das kotzen wenn ich sehe wie ueberall jeder versucht ein restaurant oder irgendeine anderes geschaeft zu eroeffnen, ueberteuerte preise auf die karten schreibt und die leute nur darueber reden um wieviel sie die preise in der naechsten saison anheben wollen. Die Sri Lankaner haben nicht die geringste ahnung von service zumindest nicht die, die im haus ihrer eltern oder auch im eigenen versuchen ein restaurant hoch zu ziehen und einfach die preise der guten restaurant drausen ranzuschreiben. Nirgendwo wird das deutlicher als hier in Unawatuna. Die Sri Lankanische Kueche ist toll, sehr scharf, aber absolut lecker und vorallem vielfaeltig. Und eigentlich beherrschen es auch alle, die verschiedenen reiscurrys zuzubereiten. Aber wenn dann das besteck klebt, die tassen noch braun vom tee zuvor sind und du einfach ueberall dicke schwarze haare findest, dann schmeckt es eben nur noch halb so gut.
Unawatuna liegt direkt neben Galle, einer etwas groesseren stadt. Die Hollaender haben hier 1663 damit begonnen eine recht grosse festungsanlage hochzuziehen. Die stadt besteht heute aus zwei teilen, dem alten, dem Festungsgelaende, auch Fort genannt und einem neuen, der sich nicht sehr von anderen staedten hier auf Sri Lanka unterscheidet. Laut, schnell und dreckig eben. Das Fort dagegen ist richtig schoen und noch total im alten kolonialstil gehalten. Wir sind auf den festungsmauern umher spaziert und haben in den ein oder anderen alten laden reingeschaut.
Unser letztes ziel hiess Hikkaduwa und war nur etwa 10 km entfehrnt. Nach unserem verkackten eier fruehstueck sprachen wir einen Tuk Tuk fahrer an der uns fuer einen sehr guten preis einfach von dem einen zum naechsten hotel fuhr, was uns eine weitere nervige bustour ersparte.
Im Top Secret in Hikkaduwa haben wir nun die letzten vier naechte verbracht und einfach mal nichts gemacht. Ich haette auf jeden fall surfen gehen koennen und es tat auch wirklich weh tatenlos am strand zu sitzen, aber in drei wochen wollen wir auf die phillipinen und da muss verdammt nochmal alles wieder gut sein, denn da wird richtig gesurft. Hikkaduwa hat uns sehr gut gefallen. Der strand war schoen die leute relaxt und unsere unterkunft die beste die wir hier in Sri Lanka hatten. Eine oesterreicherin leitet hier alles und dementsprechend war es auch sehr nett und geschmackvoll eingerichtet und sogar ueberwiegend sauber. Raphael hatte uns den tip gegeben. Der war nun mitlerweile auch wieder hier und wir haebn uns auf ein bier getroffen. Seine mutter hat eine Yogapension im nachbarort. Er hatte eigentlich als snowboardverkaeufer in der schweiz gearbeitet, aber nach der letzten schneesaison ist er mit einem alten kleintransporter und ein paar kumpels aufgebrochen um durch den nahen osten nach Indien zu fahren und eben nach Sri Lanka zu gehen. Das letzte halbe jahr hatte er in Uppuveli als Divemaster gearbeitet, aber fuer die kommende saison geht es wieder nach Zuerich.

Nun sitze ich wieder in Colombo im neunten stock und schaue durch smogwolken auf andere hochhaeuser. Morgen frueh fliegen wir nach Malaysia und morgen abend weiter nach Phuket/Thailand um das vegetarien festival zu besuchen und komplett abzufotogrefien. Laut Wellenvorhersage kann ich dort sogar wieder surfen, mal sehen was moeglich ist. Heute nacht wird meine Surfbretttasche erstmal wieder als bett herhalten muessen und Tini geht auf die Couch bei unseren Chouchsurfing freunden. Jetzt muss ich aber los, in meinem Lieblingsrestaurant hier, „The Bavarian“ ist heute Oktoberfest und ich bin sauerkrautgeil !!!

~ von majan84 am 10. Oktober 2010.

Eine Antwort to “Das war Sri Lanka”

  1. mein cousin is grade aus phuket gekommen und hatte wohl ganz gute wellen, good luck bra! ;) gute bsserung an den fuss!

    ANTWORT:

    Ja, sehr stuermig, aber immerhin bis zu zwei metern. War schon zweimal drin und der fuss macht keine probleme beim surfen, nur beim laufen, also lass ich dieses aetzende gelatsche weg und geh surfen :)

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